Abiturienten sagten „Abios Muchachos!“

  • Beitrag veröffentlicht:13. Juli 2020
Abiturienten sagten „Abios Muchachos!“

Ihren endgültigen Abschied vom Schülerdasein feierten die 126 Absolventen der drei Beruflichen Gymnasien des Landkreises, davon 30 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums Wirtschaft. Diesmal in etwas anderer Atmosphäre im Euregium nahmen sie ihre Reifezeugnisse entgegen. Die Abiturienten erreichten einen Gesamtdurchschnitt von 2,72.

In der von den Schülern mit Unterstützung ihrer drei Koordinatoren der Beruflichen Gymnasien organisierten Entlassungsfeier setzten inspirierende, einfallsreiche, aber auch nachdenkliche Reden und Grußworte einen offiziellen Schlusspunkt unter Wochen und Monate der Anspannung bei Schülern wie auch Lehrkräften. Die Abiturprüfungen waren in diesem Jahr eine bisher nicht da gewesene Herausforderung für alle – Prüflinge, Lehrkräfte, Mitwirker, Eltern und Familien. Mit Stolz können die Absolventen auf diese ganz besonderen Leistungen blicken, zumal sie auch aufgrund der Umstellung vom Abitur nach 12 Jahren (G8) zurück zu 13 Jahren (G9) der einzige Abiturjahrgang des Landkreises sind.

Moderiert wurde die Feier von Maxime Keuters und Charlotte Stake, die getreu dem Abiturmotto „Abios Muchachos – Die heißeste Stufe geht!“ durch die Veranstaltung führten. Im Zuschauerraum nahmen mit dem nötigen Abstand die Abiturienten selbst, ihre Tutoren, Schulleiter und Lehrkräfte sowie einige wenige Ehrengäste Platz. Den Familien der Absolventen wurde die Teilnahme durch eine live-Übertragung über ein Video ermöglicht, das über einen Link erreicht werden konnte. Hunderte von „online-Gästen“ nahmen also noch virtuell an der Veranstaltung teil. Musikalisch umrahmt wurde die Verabschiedung durch Hannah und Heiko Seifert. Zudem wurde die Gelegenheit genutzt, eine Fotocollage mit Aufnahmen von Ereignissen der letzten drei Schuljahre zu zeigen, da diese nicht wie sonst beim Abiball gezeigt werden konnte. Letzterer konnte aufgrund der besonderen Situation nicht stattfinden.

Der Schulleiter der Berufsbildenden Schulen Gesundheit und Soziales, Heinrich Marheineke, griff das Abimotto auf und analysierte, worin eigentlich die Auszeichnung „die heißeste Stufe“ genau läge. Läge es in den großen Mühen und Anstrengungen, den über 4.000 Unterrichtsstunden, nicht zählbaren Hausaufgaben, Lernphasen, Facharbeiten, Projektarbeiten, Klausuren und Präsentationen oder in den außergewöhnlichen Prüfungsvorbereitungen für die Abiturprüfungen, die – in großer Hoffnung vieler der Anwesenden – fast nicht stattgefunden hätten? Sei es begründet darin, dass der Jahrgang eben nicht das Turboabitur nach 12 Jahren erlangt habe, sondern sich bewusst für das System der beruflichen Bildung mit demselben Ziel, nämlich der allgemeinen Hochschulreife, entschieden habe? Denn das berufliche Profil sei eben jene zusätzliche Qualifikation neben der Studiermöglichkeiten an jeder Universität, die das Abitur dieser Absolventinnen und Absolventen jedes Jahr wieder besonders auszeichne. Hinzu kämen in diesem Jahr die Konkurrenzlosigkeit bei der Wahl der Studien- und Ausbildungsplätze und die außergewöhnliche Situation um die Corona-Pandemie.

Landrat Uwe Fietzek ging zunächst auf die Besonderheit des aktuellen Abiturjahrgangs ein: „Ihr hattet alles, was keinen Spaß macht am Abi. Und was am Abi Spaß macht, hattet ihr nicht.“ Aber immerhin haben sie ihr Abi nicht einfach so geschenkt bekommen. Dies sei das Gute daran, dass die Prüfungen trotz allem stattgefunden hätten. Denn so können sie stolz auf sich sein und mit erhobenem Kopf ihr Abiturzeugnis präsentieren. Er riet den Absolventinnen und Absolventen, sie sollen auch in Zukunft groß denken, sich und andere herausfordern, Ansprüche an sich und ihre Zukunft stellen, die Gesellschaft gestalten und aktiv sein. Auch die Grafschaft Bentheim bemühe sich darum, Fachkräften und ihren Familien ein angenehmes Lebens- und Arbeitsklima zu schaffen.

Aus der Sicht der Lehrkräfte gingen auch Björn Böhmer und Axel Friehe von den KBS auf die besonderen Zeiten ein, die den Abiturienten in diesem Jahr eine ganz außergewöhnliche Prüfung abverlangten. Dazu betrachteten sie den Begriff der Toleranz in diesen Zeiten (von tolerare (lat.): erdulden, ertragen) und betonten ihre eigenen Hoffnung, dass die vor Ihnen stehenden Absolventen in ihrem Reifeprozess erlernt hätten, welchen Aspekten Toleranz entgegen gebracht werden kann und soll (z. B. der Wahl des Abimottos) – und welchen eher nicht (z. B. Populismus, Verschwörungstheorien, Stimmungsmache). Der heutige Verzicht auf viele der schönen Dinge am Abitur könne aber auch etwas Positives mit sich bringen, nämlich getreu dem Motto der Kaufleute: „jetzt verzichten, später ernten – wie bei einer Investition“, nämlich eine Investition in die Zukunft. Dies sei sozusagen Vorbereitung auf das Studium.

Eine weitere Besonderheit dieser Verabschiedungsfeier ergab sich durch die Ansprache von Pastor Wiggers, der diese aufgrund des nicht stattfindenden Gottesdienstes bei dieser Zeugnisübergabe hielt. Er ging auf die Zukunftsvorstellungen der Schülerinnen und Schüler ein: „Steh auf und iss, denn du hast noch einen weiten Weg vor dir.“ (Monatsspruch der Kirche für den Monat Juli). Sinn und Ziel des Weges seien zwar unklar, die Zukunft sei weitestgehend unsicher. Dennoch sollten die wir essen. Aber was? Die Antwort sei der Schulabschluss, der über Einsatz von Zeit und Energie verschiedener Beteiligter erreicht worden sei. Er forderte sie außerdem auf, diesem Spruch zu folgen, wahrzunehmen, welche Möglichkeiten sie hätten und das Vertrauen zu lernen, den unsicheren und unklaren Weg zu gehen.

Saskia Spindler, Luca Book und Marlon Kolberg ließen in ihrer Schülerrede die drei Jahre an den Beruflichen Gymnasien Revue passieren. Nachdem sich alle in der Einführungsphase kennenlernen und zurechtfinden mussten, waren sie dann ziemlich schnell im Sommer 2019 in der Kursstufe 13 angelangt. Getreu dem Motto „Erst das Vergnügen, dann die Arbeit“ fanden dort zunächst die beliebten Kursfahrten statt, bei denen man sich dann noch einmal ganz anders kennengelernt habe. In der Zeit bis dahin habe es zahlreiche Höhen und Tiefen, schöne und schwere Zeiten gegeben. Luca Book betonte: „Wir haben etwas erreicht, auf das wir echt stolz sein können, wir haben unser Abitur! Wir können auch auf unsere Freundschaften, Bekanntschaften und Erfahrungen stolz sein, die wir in dieser wunderbaren Zeit sammeln und erleben durften. Die meisten von uns sind in diesen drei Jahren oft über sich hinausgewachsen und manche haben sogar Stärken entdeckt, die ihnen vorher nicht bewusst waren.“ Er dankte im Namen aller Absolventen ihren Lehrern und Eltern für die Bemühungen und Unterstützung in den vergangenen Jahren und verabschiedete sich mit einem Zitat von Robin Sharma: „Veränderungen sind am Anfang hart, in der Mitte chaotisch und am Ende wunderbar“.

Abiturienten 2020

Berufliches Gymnasium Wirtschaft:

 

 

 

 

 

 

Jana Berns (Engden), Yasmin Bruins (Laar, beste Einzelleistung: Note 1,7), Niklas Bruns (Nordhorn), Dominik Elfering (Bad Bentheim), Alex Grauer (Nordhorn), Arne Große Brüna (Halle), Jonas Häcki (Nordhorn), Esther Hagedoorn (Lage), Tim Hoesmann (Nordhorn), Jesco Hoffmann (Nordhorn), Helen Hölter (Georgsdorf), Jasmin Kiesow (Nordhorn), Marlon Kolberg (Nordhorn), Esther Kolmer (Schüttorf), Timon Kuite (Uelsen), Inneke Küper (Osterwald), Florian Mahmuti (Nordhorn), Levin Meyer (Uelsen), Julian Moeken (Nordhorn), Marleen Mönch (Engden), Jonathan Raaz (Nordhorn), Robin Schippers (Esche), Adrian Solecki (Nordhorn), Timo Stang (Nordhorn), Niklas Stiepel (Uelsen), Sebastian Wanscheer (Nordhorn), Wladimir Weber (Nordhorn), Julius Wolf (Nordhorn), Maximilian Wotschke (Nordhorn), Carolin Zirkel (Nordhorn)