Erstes Arbeitstreffen “Job 4 Youth – Skills 4 Companies” in Sofia

  • Beitrag veröffentlicht:24. Februar 2014
Erstes Arbeitstreffen “Job 4 Youth – Skills 4 Companies” in Sofia

Hat man zwar schon mal vom Goldstrand gehört, ist jedoch die Hauptstadt Bulgariens – Sofia – eher unbekannt. Vom 3. bis 7. Februar 2014 machte ich mich mit zwei Schülerinnen und zwei Schülern der FOW 1-1 in den Südosten Europas auf.

Im Anflug über die Millionenstadt erschreckten uns zwar die vielen Plattenbauten, gleichzeitig faszinierte uns aber auch die schöne Bergwelt, die Sofia, das auf 550 Metern über dem Meeresspiegel liegt, umgibt.

Nachdem wir am Flughafen zunächst halsabschneiderische Taxianbieter abwimmeln mussten, sind wir schließlich in unserer sehr zentralen Unterkunft angekommen. Nach einer kurzen Stadterkundung, die uns zur historischen Markthalle und der Moschee führte, verbrachten wir den Abend mit unseren spanischen Partnern, die noch früher als wir angereist waren und sich somit bereits besser im gastronomischen Angebot auskannten.

Dienstags wurden nach der Präsentationen der einzelnen Schulen und Regionen die ersten Arbeitsergebnisse aus den Abteilungen unsere virtuellen Firma “Bluebot” vorgestellt. Spannend war der sich daran anschließende Wettbewerb zur Logo- und Sloganwahl für die Vermarktung unseres Produktes. Leider erhielt unser Vorschlag nicht die meisten Stimmen, wurde jedoch wegen seiner künstlerischen Note besonders hervorgehoben. Sieger wurden die Spanier (Logo) und Italiener (Slogan).

Im späten Nachmittag zeigten uns die Bulgaren auf einem Stadtrundgang die vielfältigen Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt. Erstaunliche Erkenntnisse, z.B. dass Sofia eine der ältesten Städte Europas ist (erste Siedlungen in der Jungsteinzeit) und dass es auch in Sofia ein “Changing of the Guards” – hier jedoch vor dem Präsidentenpalast – gibt, taten sich für uns auf.

Leider wurde doch auch sehr die Armut des Landes offensichtlich – abgesehen von den Hauptstraßen, waren viele Nebenstraßen noch mit Kopfsteinpflaster belegt, auf der sich dann sogar noch die Straßenbahnen fortbewegten. Und ein unvergesslich trauriger Anblick waren auch die vielen Straßenhunde, die zusammengekauert ein wenig Wärme über den U-Bahnschächten suchten.

Mittwochs hatten unsere Gastgeber ein Interview mit einem lokalen Fernsehsender organisiert. Ein sogenanntes “Junges Parlament” diskutierte mit dem Bürgermeister über mehr Einbindung von Jugendlichen in die Lokalpolitik sowie über fehlende attraktive Job- und Freizeitangebote für junge Menschen. Hier erfuhren wir auch, dass das monatliche Durchschnittseinkommen der Bulgaren bei 350 Euro pro Monat liegt. Nun konnten wir verstehen, warum insbesondere die Grundnahrungsmittel so günstig sind und auch ein Restaurantbesuch sehr erschwinglich ist. Anschließend besuchten wir das berühmte Kloster von Rila, das in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

Donnerstags nahmen alle Schüler an einem Workshop mit dem Thema “e-business” teil. Vor- und Nachteile wurden erarbeitet und Verkaufstrategien, die sich vom herkömmlichen Verkauf unterscheiden, dargestellt. Danach wurde das Gelernte in die Praxis umgesetzt und in Kleingruppen musste ein Produkt für die e-business-Vermarktung präsentiert werden. Der Tag schloss mit einem Farewell-Dinner, an dem wir neben den köstlichen einheimischen Delikatessen mit einer bezaubernden Folkloredarbietung verwöhnt wurden.

Was sind unsere prägenden Eindrücke? Das Zusammensein mit Partner aus sechs weiteren Nationen ist gleichermaßen fordernd und bereichernd. So manches Mal wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt, wenn wir mal wieder die ersten waren und nicht nur einige Minuten auf den Rest der Gruppe warten mussten. Die Organisation unseres Besuches machte häufig eher einen spontanen Eindruck als gründlich geplant. Aber umso schöner war der unvoreingenommene Kontakt untereinander. Wir haben alle Partner als sehr offen und freundlich erlebt, haben intensiv miteinander gearbeitet, aber auch viel gelacht und private Informationen ausgetauscht. Der Besuch war eine Erfahrung von besonderer Art und wir hoffen, dass einige Kontakte länger andauern werden. Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch im Dezember 2014, wenn wir als Gastgeber die Delegationen unserer Partnerschulen empfangen werden.

Ruth Wehner