Wie fördert man unternehmerisches Denken in Schulen? – Sechs europäische Schulen tauschen in unserer Schule Best Practice Beispiele aus

  • Beitrag veröffentlicht:17. Mai 2022
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Die Europaflagge weht vor dem Gebäude, ein Banner begrüßt die Gäste in mehreren Sprachen: klare Zeichen, dass wieder internationaler Besuch an unserer Schule zu erwarten ist. Vom 2. bis 6. Mai 2022 trafen sich die Partner des Projekts „Education and Entrepreneurship“ aus Nyíregyháza (Ungarn), Mazzarino (Italien), Reykjavik (Island), Miercurea Ciuc (Rumänien) und Tegueste (Spanien) mit den Gastgebern Ruth Wehner (Leiterin unseres Europa-Teams), Theresa Brüning und Holger Jouppien zu einem Austausch über Ideen, wie Schülerinnen und Schüler lernen, unternehmerisch zu denken, und die Fähigkeiten entwickeln bzw. Qualifikationen erlangen, ein eigenes Unternehmen zu führen. Die Woche stand unter den Schlagwörtern „Kreativität“ und „Innovation“. Entsprechend war auch das Programm der Woche vom dreiköpfigen Organisationsteam für die 16 Gäste erstellt worden.

Im Begrüßungsprogramm am Montagmorgen lernten die Gäste die Schule kennen, u. a. durch Führungen mit unseren Schülerinnen der Klasse Kaufmännische Assistentinnen für Fremdsprachen und Korrespondenz (B7F2-1), und bekamen Informationen zum deutschen Schulsystem, ansprechend und innovativ (mittels Playmobilfiguren!) vermittelt von unserer Koordinatorin Frauke Hofschröer. Glücklicherweise hatte sich auch der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers angemeldet und stellte in seiner Begrüßung die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit in Bildungsfragen heraus. Die Gäste präsentierten ihre Schulen auf kreative Art und Weise, in dem sie von Schülerinnen und Schülern erstellte Videos zeigten, Kahoot-Rätsel lösten oder mit allen Partnern Lieder der Region singen ließen. Am Nachmittag wurde die Stadt Nordhorn erkundet und die Gäste zeigten sich beeindruckt vom frühlingshaften Grün der Bäume und dem vielen Wasser in der Stadt. Am Abend berichtete Hayk Avetisyan, bekannt in Nordhorn und Umgebung für sein Cocktail- und Glühweintaxi in Coronazeiten, bei Flammkuchen im Bon Café über seinen Weg von der Ankunft als 9-jähriger Flüchtling aus Armenien über Gelegenheitsjobs zur Eröffnung des eigenen Cafés im Jahre 2010. Er beschrieb, was ihn inspiriert hat, die Eigenständigkeit zu suchen und immer neue Ideen zu entwickeln.   

Am Dienstag und Mittwoch wurden unseren Gästen zunächst von Ahmet Askaroglu, Samy Delf und Silas Meyer (FOW2-1), Kimberly Kerk und Jonas Morais Goncalves da Cunha (FOW2-3), Jos Schütte und Marvin Holtlöwer (BGW1-2), Brigitte Salmen und Lea Hilbrich (PrintStar, BRWB2), Liam Alptekin und Carsten Wess (Shop4U, BES2-1) durch selbsterstellte Präsentationen bzw. Vorführungen auf sehr anschauliche und überzeugende Weise unsere Schülerfirmen und Projekte im Bereich Marketing vorgestellt. Danach standen dann Kreativitätsübungen, zusammengestellt und durchgeführt von den drei verantwortlichen Lehrkräften, auf dem Plan: Im Future Workshop lernten die Teilnehmenden eine Methode kennen, Aufgaben oder Probleme im Team anzugehen und kreativ in verschiedenen Schritten zu bearbeiten. Außerdem wurde ein Exit-Game vorgestellt, bei dem Gruppen wie im Escape Room Aufgaben kreativ lösen müssen, um zu einer Lösung zu kommen. Innovativ ist die Methode, Schülerinnen und Schülern durch Virtual-Reality-Brillen (unserer Schule verfügt über ein Set von sieben Brillen) Einblicke in verschiedene Berufsbilder zu geben, so dass sie sich Tätigkeiten gut vorstellen können und Informationen in einer sie ansprechenden Weise dargestellt bekommen. Innovative Ideen wurden weiterhin durch Vorträge dargestellt. Karsten Müller, Wirtschaftsförderer der Stadt Nordhorn, referierte über die Entwicklung Nordhorns von der monostrukturellen Textilstadt zum innovativen Wirtschaftsstandort mit diversen Branchen. Eoghan Buckley (Unternehmensstrategie und M&A) der List AG sprach über die Entwicklung vom Bauunternehmen mit ca. 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Jahre 2011 zu einer Unternehmensgruppe, die rund um die Immobilie – von der Echtwicklung, Finanzierung über die Planung und Realisierung bis zur Umnutzung – mit über 600 Beschäftigten in Nordhorn und acht weiteren Standorten in Deutschland tätig ist.

Die Gebäude des Wirtschafts-Kompetenzzentrums (Nino-Hochbau) und des „Our Office“ der List AG, z. B. mit Co-Working-Spaces, gemütlichen Besprechungsecken und dem Deli (Versorgungsbereich) beeindruckten die Gäste durch ihre offenen Bauweisen. Gerade die List AG zeigt mit dem Ansatz des New Work, beschrieben von Coach Vanessa Jobst-Jürgens, wie Fachkräfte auf innovative Weise gewonnen und gehalten werden können. Max Schleper, Abiturient aus Nordhorn und (noch) Student in Münster, berichtete im Konferenzraum der Alten Weberei über die Gründung seines Start-Ups „Liefergrün“. In Münster gestartet übernimmt es mittlerweile in mehreren deutschen Städten u. a. auch in Berlin den Transport von Paketen und Post auf der „letzten Meile“ mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Elektromobilen, E-Bikes aber auch Cargo-Fahrrädern bis zur Haustür und verfügt inzwischen über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Geschichtliche Informationen wurden dann am Donnerstag zum Thema. Bad Bentheim zeigte sich bei einem Stadtrundgang und einer Burgbesichtigung von seiner schönsten Seite. Die Aussicht von der Burg und die Geschichten über Geschehnisse wurden von Frau Dreier sehr gut vermittelt. In der Friedensstadt Osnabrück standen nachmittags das Rathaus des Westfälischen Friedens und die Altstadt mit Dom, Marienkirche und vielen historischen Häusern im Mittelpunkt. Vorher gab Thomas Büdden vom Innovationszentrum Osnabrück (ICO) einen Einblick in die Arbeit eines Start-Up-Centers, in dem Forschung und Innovation im Vordergrund stehen. Unternehmensgründerinnen und -gründer können ihre meist an Universität oder Hochschule entwickelten Ideen in einem Unternehmen auf den Markt bringen und bekommen vom ICO viele Hilfestellungen durch Räume mit guter Infrastruktur, Vernetzung von Start-Ups mit Synergieeffekten, Coaching und Seminaren. Als ein Beispiel fungierte Susan Wache vom Unternehmen Feelspace, die einen sogenannten „Navi-Gürtel“ vorstellte. Mit diesem können sich Sehbehinderte durch Vibrationen im Gürtel besser orientieren, da der Kompass beispielsweise Norden oder der Navigator die richtige Richtung anweist.

Während die Koordinatorinnen und Koordinatoren des Projekts „Education and Entrepreneurship“ am Freitagvormittag die weitere Planung des Projekts vornahmen und u. a. das nächste Treffen in Rumänien vorbereiteten, konnten die anderen Teilnehmenden sich von Stefan Veenaas, Lehrer an den GBS Nordhorn, in die Grundlagen der Programmierung von Robotern einweisen lassen. Selbst einmal einen Roboterarm bewegen zu lassen, war ein phänomenales Erlebnis. Danach wurde eine Evaluation des Meetings vorgenommen und die Gäste konnten mit dem Bus die Heimreise antreten. Die Kommentare zeigten, dass die Gäste vor allem die Schülervorträge guthießen, in denen die Schülerinnen und Schüler auf die vielfältigen Aktivitäten unserer Schule im Bereich Entrepreneurship hinwiesen. Neben Projektwochen zum Thema Marketing, in denen im Beruflichen Gymnasium und der Fachoberschule Unternehmen gegründet oder Produkte entwickelt werden müssen, sorgen unsere Schülerfirmen für das Erlernen von Abläufen in einem Unternehmen und damit das Entwickeln unternehmerischen Denkens. Praktika vertiefen theoretische Kenntnisse und setzen sie in die Praxis um.

Da das Wetter mitspielte und sich Nordhorn von seiner sonnigsten Seite zeigte, konnten die Gäste die Stadt zu Fuß, per Tretboot auf der Vechte und dem Vechtesee erkunden. Sie priesen die vielen schönen Ecken. Abgerundet wurden die Tage mit Restaurantbesuchen (zur Vereinfachung der Speisenauswahl erstellte die B7F 1-1 im Vorfeld einen einzigartigen „Culinary Guide“ auf Englisch) bei Frentjen, im Extrablatt, dem Grafschafter Brauhaus (mit Brauereiführung durch Braumeister Karsten Herr) und La Gondola, die die Vielfalt der Nordhorner Gastronomie zeigten und bei denen Gäste und Gastgeber über die entstandenen Eindrücke sprechen und so das Wissen um innovative und kreative Methoden und Ansätze, vor allem im Bereich der Unternehmensgründung vertiefen konnten.

Nach einer langen Coronapause genossen alle die Möglichkeit des direkten Gesprächs und Erlebens, das durch keine Videokonferenz ersetzt werden kann.