Anna-Lena Justitz (Auslandspraktikum in La Roche sur Yon)

  • Beitrag veröffentlicht:22. Dezember 2015
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Mein Name ist Anna-Lena Justitz, ich bin 17 Jahre alt und wohne in Nordhorn. Ich mache zurzeit die zweijährige Ausbildung zur Kaufmännischen Assistentin für Fremdsprachen und Korrespondenz an den KBS in Nordhorn. Innerhalb dieser Ausbildung ist ein vierwöchiges Praktikum vorgesehen, welches uns einen kleinen Einblick in die Be­rufswelt bieten soll.

Ich hatte mir bereits Gedanken zu meinem Praktikumsplatz gemacht und war der Meinung, es wäre besser mein Praktikum in Nordhorns Umgebung zu verbringen, bis mir berichtet wurde, dass man die vier Wochen nicht nur in England, Irland oder Spanien verbringen könne, son­dern auch in Frankreich. Da ich schon einmal in Frankreich war, auf der Real­schule Französischunterricht hatte und einige Kontakte dort habe, war mein Interesse sofort geweckt. Ich war schon immer von Frankreichs Kultur und Geschichte begeistert. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein Auslandspraktikum fürs weitere Leben sehr vorteilhaft sein kann. Man erhält nicht nur die Chance seine Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern lernt neue Menschen kennen und vor allem einen ganz neuen Blick auf das Leben in einem frem­den Land.

Mein Praktikumsbetrieb war das „Hotel Mercure“ in La Roche sur Yon in der Nähe von Nantes und meine Gastfamilie war die Familie Clerc in Legé. Ich konnte mir zu Anfang nichts zu meiner Arbeit in einem Hotel vorstellen oder in genau welcher Abteilung ich arbeiten würde. Ich wusste auch kaum etwas über meine Gastfamilie und da ich vorher noch nie allein in ein anderes Land geflogen bin, war meine Unsicherheit extrem groß. Doch nachdem ich, zwar immer noch mit großer Nervosität, angekommen war und unglaublich herzlich von der Familie Clerc empfangen wurde, konnte ich nun doch ein kleines bisschen entspannen.

Am nächsten Tag begann auch schon der Ernst des Praktikums. Ich war schon früh morgens auf dem Weg zum Hotel und meine Nervosität wuchs mit jeder Sekunde. Als ich am Hotel angekommen bin, wartete ich ein paar Minuten in der Lobby auf Madame Herbreteau, meine Chefin für die kommenden vier Wochen, und machte mir nebenbei Gedanken wie die Mitar­beiter des Hotel Mercure wohl sind. Doch meine Bedenken waren nicht nötig gewesen. Alle Mitarbeiter und vor allem Madame Herbreteau haben mich sehr nett behandelt. Ich konnte immer fragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe oder ich etwas gerne ausführlicher erklärt haben wollte. Ich wurde wie ein Teil des Hotel-Teams behandelt, was für manch an­dere eher untypisch ist.

Gearbeitet habe ich montags bis donnerstags von 8:30 Uhr bis 16:30 Uhr und freitags von 8:30 bis 15:30 Uhr. Ich habe immer mit Madame Herbreteau zusammen mit der Ar­beit angefangen und den Feierabend angetreten. Ich hatte in meiner Zeit im Büro mit Madame Herbreteau und ihren Kollegen immer ein ruhiges und angenehmes Arbeits­klima. Hektik ist so gut wie nie vorgekommen, auch bei Stresssituationen blieben sie oft ru­hig. Meine Aufgaben während des Praktikums waren unter anderem das alphabethische Ordnen von Dokumenten, Kopieren von Rechnungen, Bearbeiten von Excel-Tabellen und das Designen der Deckblätter von Meeting-Mappen. Eine Sache, die mir immer wieder gut gefallen hat, war, dass ich mit Madame Herbreteau und ihren Kollegen zusammen um 12 Uhr im Hotel Mittagessen durfte. Wenn ich nach dem Essen noch Zeit hatte, ging ich raus, um mir die Stadt näher anzusehen.

Meine Gastfamilie wohnt ca. 45 Minuten von La Roche sur Yon entfernt, weswegen ich jeden Morgen um 7 Uhr den Bus nehmen musste. Da es leider nur einen Bus zum Hotel gab, musste ich mich manchmal sehr beeilen. Obwohl die Bushaltestelle nur 10 Minuten vom Haus entfernt war, standen Madame oder Monsieur trotzdem so früh auf und brachten mich netterweise zur Bushaltestelle. Sie haben mir stets das Gefühl gegeben, als wäre ihr Zuhause gleichzeitig auch meines. Sie haben mich wie einen Teil der Familie behandelt und ich habe mich wie ein Teil der Familie gefühlt. An den Wochenenden, wenn keiner von uns ar­beiten musste, haben wir oft was mit der Familie unternommen oder sind in andere Städte gefahren. Was mich erstaunt hat war, dass trotz des Alltagsstresses wir uns trotzdem jeden Abend zum Abendessen zusammengesetzt haben.

Sie haben mir bei meiner Aussprache geholfen und mir teilweise auch neue Wörter beige­bracht. Sie haben sich bemüht für mich alles so gut wie möglich verständlich zu machen, was mich sehr gefreut hat. Ich habe mich sehr an das Leben in Frankreich gewöhnt, weswegen der Abschied auch sehr schwer gefallen ist. Auch bei Madame Herbreteau wurde der Abschied auch nicht leicht. Ich hatte mich schon so gut eingelebt, dass ich gar nicht mehr zurück wollte. Jedoch ist dann doch der Tag gekommen, an dem ich den Flieger nach Nordhorn nehmen musste. Ich habe auch heute noch Kontakt zu meiner Gastfamilie und Madame Herbreteau und habe vor so bald wie möglich zu besuchen.

Alles in allem würde ich jedem einen solchen Auslandaufenthalt empfehlen, wenn er die Möglichkeit dazu bekommt. Ich bin sehr dankbar, dass ich mein Praktikum in La Roche sur Yon habe machen dürfen. Ich weiß nun mehr über Stadt, Kultur und Alltag der Menschen dort und habe einen Einblick in die Arbeit eines Hotels bekommen. Wenn man alleine in einem fremden Land mit fremder Familie und fremder Umgebung ist, sei es auch nur für vier Wochen, stärkt das noch einmal zusätzlich das Selbstbewusstsein, die Sicherheit der Sprache und man lernt auf eigenen Beinen zu stehen sowie auch mit schwierigen und fremden Situationen klar zu kommen.